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Honigwaben und Bienenfresser

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16. Mai – 31. Mai 2011

Göreme - Dogubayazit

ca. 1033 km

Türkei Total: ca. 2119,61 km

Von Göreme bis Dogubayazit befinde ich mich meist über 1000 m.ü.M. Die Tage ähneln sich. Jeden Tag einen Pass (ca. auf 2000m.ü.M.), jeden Tag etwas mehr oder weniger Regen und zwischen 15° und 20° C. Zum Fahrradfahren sehr angenehm ansonsten bin ich etwas neidisch auf den tollen Schweizer Sommer. Ein paar mal bin ich gezwungen die Fahrt bereits mitte Nachmittag zu beenden, damit ich nicht auf 2000 m.ü.M. in ein Gewitter fahre. Da es manchmal nichts anderes hat als Tankstellen, halte ich dort an und kann dort campen oder einmal sogar in einem leeren Haus daneben übernachten. Aber sie sind sehr gwundrig die Türken. Bereits um 7 Uhr am morgen stehen sie neben meinem Bett oder klopfen an mein Zelt. Da werde ich jeweils etwas unfreundlich. Einmal erhalte ich ein super Frühstück! Frisches Brot, Butter und ein Stück Honigwabe, einfach köstlich. Werde oft zum Cay eingeladen. Ca. um 04.30 Uhr wird es hell und um 19.00 Uhr beginnt es einzudunkeln. Es wird Zeit, die Zeit umzustellen. Bei der Einreise in den Iran kann ich die Uhr 1,5 Stunden vorstellen. Ich verliere Zeit und trotzdem werden die Tage länger...

Mein täglicher Pass


Material und Körper werden nach 278 Stunden im Sattel getestet. Die Zeltstange versuche ich mit Alu (Pepsidose) und anschliessend mit Plastik von einer Petflasche zu flicken. Während der Reparatur zerbricht eine weitere Stange, welche bereits im Zelt angespannt war. So wende ich den PET Reparaturtrick auch dort an. Die Reparatur ist nicht ideal aber ich kann weiterhin campen. Der Kocher will an einem stürmischen Abend nicht richtig brennen, so gibt es nur Brot und Oliven. Zum Glück funktioniert dieser in den nächsten Tagen wieder einwandfrei. Seit dem nass-feuchten Kellerzimmer in Göreme verfolgt mich ein knackiger Husten. Eine leichte Blasenentzündung zwingt mich zur ersten Einnahme von Antibiotika. Das Preiselbeerkonzentrat hat leider nicht geholfen.

Nach der Reparatur

Die Hunde werden plötzlich grösser und viel furchteinflössender. Trotzdem sind sie mir viel sympathischer. Sie bellen nur wenn nötig, sehen wie richtige Hunde aus und meistens bin ich ihnen ziemlich egal. Es sind Kangal Hunde, welche die Schafherden bewachen. Zum Schutz vor den Wölfen tragen sie ein Halsband mit grossen Eisenspitzen dran.

Erfreulich sind die Bienenfresser, welche ich immer wieder höre und beobachten kann. Ein wunderschöner Vogel der meist in Schwärmen auftritt und an seinem Ruf einfach zu erkennen ist.

In der Stadt Erzurum gehe ich in ein Hotel, wo ich zwei Nächte bleiben will. Ich bin kaum eine Stunde in meinem Zimmer höre ich draussen eine bekannte Stimme. Albert aus Holland, kenne ihn aus Istanbul. Er hat die Schwarzmeerroute gewählt und hatte Mühe mit seiner Roloffnabenschaltung. Die Steigungen an der Küste waren sehr steil und er musste das Rad zum Teil schieben. Auch hatte er vor einigen Tagen einen Riss in der hinteren Felge. Er wartet nun in Erzurum auf ein Packet aus Holland mit Ersatzmaterial. Ich denke er wird mich wieder einholen.

Erzurum befindet sich auf 1900 m.ü.M. und ist ein Zentrum für Wintersport und Studenten. In der ganzen Stadt hat es Brunnen mit köstlichem Wasser. Ich geniesse es mit einem Mann an der Seite die Stadt zu erkunden. Die Gespräche sind anders, nicht jede zweite Frage ist ob ich Verheiratet sei. (Natürlich bin ich verheiratet, deshalb trage ich ja einen Ring am Finger.)

Beim Cay mit Albert und dem Tepich-Händler

Wieder auf dem Fahrrad stört mich etwas in meiner Hosentasche. Ein Pass und 30 km nach Erzurum plötzlich der Gedankenblitz, ich habe den Hotelschlüssel noch in der Tasche. Bei der nächsten Tankstelle finde ich jemand der Englisch spricht und aus Erzurum kommt. Er ruft im Hotel an und nimmt den Schlüssel mit!

Am nächsten Tag beginnt es kurz nach dem Pas zu regnen. Ich finde meine Regenhose nicht. Befürchte, dass ich sie beim Zelteinpacken liegengelassen habe. Ärgere mich. Finde sie aber Gott sei Dank beim nächsten (trockenen) Stopp, ganz unten in der Tasche.

Wieder bei einer Tankstelle treffe ich auf ein Deutsches Fernfahrerpaar, welches seit zwei Stunden auf Diesel wartet. Die Tankstelle muss zuerst den Geldtransfer überprüfen. Sie Brauchen von Deutschland bis ganz in den Osten der Türkei 4 Tage. Dies deprimiert mich ein wenig, ich habe immerhin 64 Tage gebraucht. (-; Sie bringen trächtige Simmentalerfleckvieh-Milchkühe in die Türkei. Dieses mal 27 Stück. Ich fahre am nächsten Tag beim Stall vorbei und schaue kurz rein! Simmentalerfleckvieh aus Deutschland in die Türkei.... irgendwie komisch, warum machen das nicht die Simmentaler?

Simmentalerfelckvieh

Die Landschaften sind einfach wunderschön! Geologisch sehr abwechslungsreich. Ich geniesse die verschiedenen Stimmungen mit dem wechselhaften Wetter. Am letzten Tag vor Dogubayazit, die Grenzstadt zum Iran, habe ich einen fiesen Gegenwind! Und es gibt keine Tankstellenshops mehr. Sehr schlecht, damit habe ich nicht gerechnet. Esse alle meine Vorräte auf. Und plötzlich erscheint er, der Ararat oder Agri Dagi wie er auf türkisch heisst. Der höchste Berg der Türkei, 5137 m.ü.M. Er versteckt sich aber gerne hinter Wolken, habe mühe ein gutes Foto zu machen.

Nun mache ich ein paar Tage Pause, mein Iran-Visum ist erst ab dem 1. Juni gültig. Der Campingplatz ist zugleich ein Picknickplatz. Da Sonntag ist, sind alle Plätze besetzt. Ein Junge kommt auf mich zu. Er erkennt mich wieder. Arbeitet bei der letzten Tankstelle wo ich mein Zelt aufgestellt habe. Seine Familie lädt mich zum Picknick ein. Sie zerlegen ein Schaff und werfen es auf den Grill...

Kurz darauf trifft ein französisches Paar ein, Etienne und Manon. Sie sind mit dem Velo auf ihrer Hochzeitsreise, bereits auf dem Rückweg von Asien nach Frankreich. Geniesse die Gesellschaft. Die letzten paar Tage bin ich mir etwas isoliert vorgekommen. Die Leute sind im Osten der Türkei anders. Die zwei haben ein tolles Geschenk für mich. Sie geben mir zwei Aluhüllen zum flicken der Zeltstangen. Das Zelt sieht wieder aus wie neu. Aber die Freude hält nur eine Nacht. Bereits heute Morgen ist die Stange erneut gebrochen.

Goodbye

Mit dem Range Rover von Andrea, einem Fotograph aus Italien, haben wir heute Morgen einen Ausflug zum Ishakapasha Sarayi (Palast), nahe dem Camping, gemacht. Die Kameras wurden gezuckt und viele Fotos geschossen. Nun fahre ich der Grenze entgegen, damit ich Morgen möglichst früh in den Iran einreisen kann.

Übrigens würde ich mich zwischendurch sehr über ein sms freuen. Mich kosten sie etwas viel, deshalb kann ich nicht immer Antworten. (1sms = 2 türkische Snikers)

Korrektur:

Es ist nicht der Imam, welcher den Adhan (öffentlicher Gebetsruf) fünf mal am Tag ruft, es ist der Muezzin.

Fazit Türkei:

Ein abwechslungsreiches und grosszügiges Land, welches sehr viel zu bieten hat. Die Leute sind überwiegend freundlich und hilfsbereit. Die Städte sind mir manchmal etwas zu gross. Dafür sind die Landschaften um so schöner.

 

Gefahrene Kilometer

10131km

nachgeführt am: 24.10.2011

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