China – Sichuan – China im Urlaub

Dienstag, den 25. Oktober 2011 um 16:10 Uhr Sabine Beer
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28. September 2011 – 12. Oktober 2011

Langmusi – Chengdu

Provinz Sichuan: 478 km

Total China: ca. 1092 km

Dauerregen und Niesel, die Landschaft wäre schön, man sieht aber nicht all zu viel davon. Auf den Bergspitzen hat es Schnee. Für längere Pausen ist es zu kalt. So fahren wir die 85 km ohne viel zu essen. Wir müssen einen stickigen Tunnel, leicht Bergauf, hinter uns bringen. Eine Fahrspur wird renoviert, die andere ist nicht asphaltiert. Dies sind keine Freuden im Tourenleben... Die Polizei hält uns zwei mal an um unsere Pässe zu kontrollieren. Einmal kurz nach Langmusi, Chris muss davon rennen weil er unbedingt für kleine Jungs muss. Das zweite Mal vor Zoige, ich habe einen kleinen Hungerrast und esse vor den Polizisten was ich in meinen Taschen finde.

 

Im Dorf gehen wir dann gleich in ein Restaurant. Ein freundlicher junger Mann bringt uns das bestellte Reis und das Ei-Tomatengericht. Mit diesem kann man nie falsch liegen und es ist günstig. Normalerweise. Anstelle von der üblichen 12 Yuan berechnet er uns pro Mahlzeit 24 Y. Schlitzohr, nach langer Diskussion verlassen wir grimmig das Lokal.

Laut Lonely Planet soll der Bus am nächsten Morgen um 6.00 Uhr abfahren. So stehen wir um 04.00 Uhr auf, packen unsere Sachen zusammen, wecken das Hotelpersonal um unsere Fahrräder aus dem Hinterhof zu holen und das Depot zurück zu erhalten. Dann suchen wir den Busbahnhof. Das Dorf stellt sich als kleinere Stadt heraus. Wir finden den Busbahnhof erst kurz vor sechs Uhr. Freundliche Tibeter zeigen uns den Weg. Noch ist alles dunkel und geschlossen. Eine Gruppe Chinesen will auf den selben Bus. Sie finden heraus, dass dieser erst um 10.00 Uhr fährt. Zurück ins Hotel? Nein, Zeit absitzen.

Nun ist es soweit, alle haben davon gesprochen, die Chinesen haben Ferien. Am 1. Oktober ist Nationalfeiertag und viele Chinesen haben eine Woche Frei. Es ist Donnerstag, der 29. Oktober. Wir hoffen in Songpang ein günstiges Bett zu finden. Nach kurzer Suche erhalten wir ein Zimmer für 50 Y. Das ist sogar sehr günstig, Glück gehabt. Songpang ist ein schickes Touristenstädtchen, wir bleiben einen Tag hier. Viele Chinesen übernachten hier um den beliebten Huanglong Nationalpark zu besuchen. Der Eintrittspreis von 200 Y ist uns aber zu hoch.

Im Dorf sind die Geschäfte mit schönen Holztafeln beschriftet und ins Englisch übersetzt. In zwei Geschäften werden romantische Fussmassagen angeboten. Komisch dass am Abend fünf Polizei Autos davor stehen und Polizisten mit grossen Kameras heraus kommen?

Dann die schlimme Nachricht von Bettina. Alex und sie sind auf dem Tibetplateau Tagelang neben einer Baustelle gefahren. Am 24. September hat eine Baumaschine die Kontrolle verloren und Alex konnte nicht mehr ausweichen. Ihre zweijährige Velo-Weltreise hat so ein schlimmes Ende genommen. Ich habe Alex und Bettina seit Mashad im Iran immer wieder getroffen. Alle aus der Bikefamilie sind bestürzt. Die nächsten Tage auf dem Fahrrad werden geprägt sein mit Gedanken an Alex. Auf diesem Weg wünsche ich Bettina noch einmal viel Kraft für die kommende Zeit! Sie möchte die Reise fortsetzen, jedoch nicht alleine. Ihr Weg führt über Südostasien und im März nach Südamerika. Vielleicht geht ja jemand in die selbe Richtung...dann bitte melden. Um mit Bettina mitzuhalten braucht man aber ein gewisses Training (-;


 

Den ersten Tag nach Songpan geniessen wir in vollen Zügen. Auf 140 km vernichten wir 1300 h.m. Nur der Gegenwind, welcher am Nachmittag einsetzt, nimmt uns etwas den Wind aus den Fahnen... Chengdu wir kommen. Bis nach Chengdu können wir einem Fluss folgen. Das Tal hat hübsche Dörfer, die Leute ernten gerade Mais. Natürlich von Hand. Wenn ich mir vorstelle, wie viele Emissionen es geben würde, wenn all die Feldarbeit mit Maschinen gemacht würden.... Für diese Handarbeit bin ich den Chinesen sehr dankbar!

Auch an diesem Abend finden wir ein günstiges Hotel. Nach dem Essen muss ich sehr schnell zurück ins Hotel (Toilette) und lasse Chris alleine auf der Strasse. Nach einer Weile kommt auch er ins Hotel, setzt sich aufs Bett und sagt, er war im falschen Hotel. Ich glaube ihm nicht, er macht sicher Witze. Nein, er wusste nicht mehr welchen Eingang nehmen. Eine Frau hat ihn angesprochen und er dachte sie bringt ihn zum Hotel. Vor dem Eingang will er noch seine Zigarette fertig rauchen, sie sagt aber er soll rein kommen. Sie bringt ihn in ein Zimmer, er denkt dies sei wohl das Raucher Zimmer. Dann will sie Geld von ihm. Nun realisiert er, dass er im falschen Hotel ist. Er will flüchten, die Frau hält ihn aber Zurück und will ihm einen Rabat geben! Nein, nein, er habe ein Hotel.... Ach Chris!

Der Verkehr hat etwas zugenommen. Gestern sind alle Autos Bergauf gefahren. Heute (1. Okt.) fahren sie auch in unsere Richtung. Am Nachmittag überholt uns eine ganze Kolonne Autos. Im Tunnel hat es dann Stau. Es geht nichts mehr. Wir entscheiden uns, auf dem Seiten Mäuerchen zu laufen. In der Mitte des Tunnels sehen wir dann den Grund vom Stau. Die Chinesen sind eher egoistische Autofahrer und überholen alles und jeden zu jeder Zeit. So haben sie begonnen im Tunel zu überholen. Sie brauchen über 19 km lang beide Fahrspuren... Zum Teil überholen sie auch nichts. Das heisst die Autos stehen nur auf der linken Spur, so haben wir die andere ganz für uns! Wir geniessen es durch den von den wohl dümmsten Autofahrern selbst verursachten Stau zu kurven. Die Chinesen scheinen relaxt, sie picknicken auf der Strasse und Grüssen uns fröhlich.

Unser Tagesziel ist Qingcheng Shan, ein taoistischer Berg mit Wanderwegen und Tempeln. Nirgends sehen wir jedoch Wegweiser obwohl wir das Gefühl haben sehr nahe zu sein. Eine Gruppe chinesischer Radler überholt uns. Auf ihrem Smartphone finden sie heraus, dass Qingcheng Shan noch ca. 30km entfernt ist. Es ist aber bereits am Eindunkeln und auch der Regen ist zurück. So beschliessen wir mit den sympathischen Studenten in Ying Xiu zu bleiben. Sie organisieren eine günstige Unterkunft (zu fünft schlaffen sie in einem 2 Bett Zimmer) und bestellen das Nachtessen. Wir haben keine Chance es zu bezahlen, sie wollen uns einladen. Am nächsten Morgen besichtigen wir gemeinsam die alte Schule des Dorfes. 2008 hat es in Sichuan ein starkes Erdbeben gegeben. Das Dorf wurde vollständig zerstört, gesamthaft wurden um die 88'000 Menschen getötet. Ying Xiu ist nun ein "Erdbeben Tourismus Ressort". Die Schule dient als Denkmal, viele Schüler und Lehrer sind ums Leben gekommen. Einige konnten nicht aus den Trümmern geborgen werden. Diese zerstörten Gebäude zu sehen ist sehr eindrücklich, man kommt nicht ohne Gänsehaut davon.

Nach der Besichtigung fahren wir gemeinsam mit den Jungs in Richtung Chengdu. Sie laden uns zum Frühstück ein. Beim Mittagessen versucht Chris schneller zu sein. Er geht zur Bedienung, gibt ihr 100 Yuan, sie bringt ihm das Wechselgeld. Er hält dies noch in der Hand da kommt sie wieder angerannt, nimmt ihm das Geld aus den Händen und bringt ihm die 100 Yuan zurück. Die Jungs haben wieder gewonnen. Sie versprechen uns aber, dass wir sie in Chengdu einmal zum Essen einladen dürfen.

Um 19.00 erreichen wir Sims Hostel in Chengdu. Nein, leider voll. Ah doch da sind noch zwei Betten. Erstmal für eine Nacht. Huch da haben wir Glück gehabt. Und die Betten sind erst noch günstiger als alle anderen. Warum wissen wir nicht und wir fragen auch nicht. Dies war nun sozusagen der letzter Tag meiner Veloreise. Nun beginnt die Rückreise. Fahre mit dem Zug weiter nach Guilin, dann nach Shanghai-Beijing-Ulanbator-Moskau....Irgendwie glaube ich aber noch nicht daran, dass dies mein letzter Tag auf dem Velo in China war. Kann doch nicht bei 9960km stoppen!


 

Chengdu ist nicht die schönste Stadt aber gemütlich. Die Tage vergehen sehr schnell. Als kleines Geschenk kaufen Chris und ich uns gegenseitig neue Kopfhörer. Beide vermissen wir es auf einer guten Soundanlage Musik zu hören. Nun kommen wir dem etwas näher. Am zweiten Tag treffen wir die Jungs wieder. Wir schaffen es eine Rechnung zu bezahlen. Besuchen aber noch ein zweites Restaurant, wo wir wieder keine Chance haben. Dies gehöre zur Gastfreundschaft der Chinesen. Die Verabschiedung der Jungs dauert ca. eine halbe Stunde. Chris wird immer wider umarmt. Es ist wirklich emotional (-;

Nachdem sie schlussendlich losgefahren sind schauen wir uns noch im Tibetischen quartier der Stadt um. Plötzlich taucht ein bekanntes Gesicht auf, Maren. Sie und Thorsten sind in einem Hostel gleich um die Ecke. Gemeinsam verbringen wir viele gemütliche Abende in Chengdu. Pingpong, tögele, Billiard und Quizabend im Hostel. Auch fahren wir gemeinsam in die Panda Forschungs- und Zuchtstation. Diese Bären sind einfach knudelig. An einem Abend besuchen wir eine touristische Strasse, die Jinli. Eine neue Strasse im alten Stil gebaut. Sehr hübsch aber das Bier kostet hier zwischen 200 und 500 (Fr. 70.-) Yuan. Im Hostel sind es 5 Yuan (Fr. 0.70)! Es gibt sie also, die reichen Chinesen! Am Sonntag besuchen wir den PublicPark. Die Leute Singen und Tanzen, Spielen und trinken Tee. Ein geselliger Ort. Zwar nicht unbedingt ruhig. Die Musik ist ein sehr lautes durcheinander. Die Chinesen mögen es laut. Laute Hupen und laute Stimmen...

Maren wurde an einem Busbahnhof die Lenkertasche gestohlen. Ich gebe ihr meine, brauche sie ja nicht mehr und so habe ich ein Gepäckstück weniger im Zug. Und trotzdem fällt es mir schwer diese Tasche, die mit mir gereist ist, weg zu geben. So doof!

Damit ich besser mit dem Zug reisen kann, kaufe ich mir einen Rucksack und eine Troly für die Taschen. Schwer ist das Gepäck immer noch aber doch einfacher zum transportieren. Da der direkte Zug nach Guilin über längere Zeit ausgebucht ist, entscheide ich mich über Kunming zu reisen.

Eines Abends in der Hostel Bar taucht ein weiteres bekanntes Gesicht auf. Ich bin jedoch verunsichert. Emil ist schwer enttäuscht, dass ich ihn nicht erkannt habe. Haben wir doch in Istanbul ein paar Tage zusammen verbracht. Aber wo ist Oskar? Er hat sich in Kashgar entschieden die Reise abzubrechen und ist nun zurück in Schweden. Mit einem Foto aus Istanbul kann ich beweisen, dass sich Emil verändert hat. Ich glaube er verzeiht mir. Herbert aus Deutschland ist auch hier. Er kennt mich beim Namen, muss mir jedoch weiterhelfen. Wir hatten im Iran Mail Kontakt, haben uns knapp verpasst. Er ist ein Tourenfahrender der älteren Generation! Hatte vor kurzem einen Sturz und seinen Daumen gebrochen. Aber nein, es wird nicht aufgegeben, weiterfahren. Es ist immer wieder spannend die unterschiedlichen Leute aus der Bikefamilie kennen zu lernen. Iris und Regula zwei Radlerinnen aus der Schweiz habe ich leider in Chengdu knapp verpasst. Wir hatten per Mail Kontakt, sie mussten jedoch auf Grund der Visas weiter radeln.

Natürlich gibt es auch Arbeit: Wäsche waschen, Zeltaufhängen, Material flicken und ca. zum 100. mal in China das Velo putzen. Auch mein neues Hinterrad braucht ein paar Streicheleinheiten. Viele Speichen sind lose, das Rad läuft nicht ganz rund....

Nun ist es so weit, mein Zug fährt am 12. Okt. Richtung Kunming. Das Velo ist bereits unterwegs. Chris bleibt noch einige Tage in Chengdu. Er hat seine Visaverlängerung beantragt. Nun muss er eine Woche warten, das Visa läuft aber ab dem Tag der Beantragung. Ist doch sehr unlogisch, Chinesologisch vielleicht. So bleiben ihm nur drei Wochen um die ca. 2000 km bis nach Laos zu machen. Dort wird er vielleicht Maren und Thorsten wieder treffen.

Um 11.00 laufen wir los Richtung Bahnhof. In der Strasse vor dem Bahnhof befindet sich der Whole Market (Alles-Markt). Dies ist wohl der lebendigste Stadtteil. Wie in einem Bienenhaus wimmelt es von Menschen, Ware und Elektrorroller. Beim Tschüss sagen behalten wir die Sonnenbrille auf, es könnte ja Peinlich werden. Die Tränen kommen dann beim warten auf den Zug. Nun bin ich nach viereinhalb Monataen wieder alleine unterwegs. Es war eine tolle Zeit mit Chris. Hoffe er findet wieder jemanden zum weiter radeln. Sonst geht er womöglich noch verloren (so seine eigenen Worte).

Ich geniesse die Ruhe im Zug, dass letzte mal war mehr los. Aber man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Beim ersten halt steigt eine Gruppe chinesischer Touristen ein. Es wird geschrien und gelacht. Am Abend, in der Nacht und am frühen Morgen (5.00Uhr). Nein es sind nicht Teenager... Schlimmer als eine Gruppe israelischer Touristen. Aber sie sind nett und bieten mir Hühnerfüsse zum knabbern an. Dankend muss ich ablehnen.

Fazit China – Sichuan:

Ich habe mich etwas vor Sichuan gefürchtet. Heisst es doch dort gäbe es das schärfste Essen. Dies habe ich trotz chinesischer Speisen zum Glück nicht gemerkt. Das Erdbeben hat die Region stark geprägt, viele Dörfer und Strassen sind neu. Der Panda ist "das" Tier in Sichuan.